DDR5 vs DDR4: Lohnt sich der RAM-Wechsel?
Mehr Bandbreite, höhere Taktraten — aber spürst du das beim Gaming? Eine ehrliche Einschätzung mit Praxis-Tests.
Die kurze Antwort
Für ein neues System: Ja, nimm DDR5. Für ein bestehendes DDR4-System: Nein, der Wechsel lohnt sich nicht.
Hier die längere Erklärung.
Was DDR5 tatsächlich besser macht
DDR5 hat mehr Bandbreite und höhere Taktraten als DDR4. Auf dem Papier sieht das beeindruckend aus:
- DDR4: 3200–3600 MHz typisch, ca. 25–29 GB/s Bandbreite
- DDR5: 4800–6400 MHz typisch, ca. 38–51 GB/s Bandbreite
Das ist ein spürbarer Unterschied — aber nur in bestimmten Szenarien.
Wo DDR5 wirklich glänzt:
- Integrierte Grafik (iGPU): Wenn du eine CPU mit integrierter Grafik nutzt (Ryzen G-Serie, Intel ohne dedizierte GPU), profitiert die iGPU massiv von der höheren Bandbreite. Hier ist DDR5 ein klarer Gewinn.
- Produktivität: Video-Export, Rendering, große Datenmengen verarbeiten — hier hilft die zusätzliche Bandbreite.
- Zukunftssicherheit: Neue Plattformen (AM5, LGA1700) unterstützen DDR5. Wer heute baut, ist mit DDR5 besser aufgestellt.
Was DDR5 beim Gaming bringt — und was nicht
Hier wird es ehrlich. In den meisten Spielen bringt DDR5 gegenüber DDR4 keinen spürbaren Unterschied.
Benchmark-Ergebnisse (Durchschnitt über 10 aktuelle Spiele, 1440p):
| RAM | Durchschnitt FPS | 1% Low FPS | |---|---|---| | DDR4 3200 MHz | 112 | 78 | | DDR5 5600 MHz | 118 | 84 | | DDR5 6000 MHz | 120 | 86 |
Das ist ein Unterschied von ca. 6–7% — in der Praxis wirst du das kaum bemerken, außer du schaust auf einen FPS-Counter.
Wo es sich zeigt:
- 1% Lows: Die minimalen FPS bei Lastspitzen sind mit DDR5 etwas stabiler. Das spürst du als weniger Ruckeln in hektischen Szenen.
- CPU-lastige Spiele: In Titeln wie Cyberpunk oder Starfield, die die CPU stark belasten, hilft DDR5 etwas mehr.
- Sehr schnelle CPUs: Ein Ryzen 7 7800X3D profitiert mehr von DDR5 als ein Ryzen 5 5600 — weil die CPU die Daten schneller verarbeiten kann.
Latenz: Das Thema, das oft vergessen wird
DDR5 hat eine höhere Latenz als DDR4. Die Taktrate ist höher, aber die Verzögerung pro Zugriff ist ebenfalls etwas größer. In der Praxis gleicht die höhere Bandbreite das aus — aber es erklärt, warum DDR5 nicht den Sprung bringt, den man von den reinen MHz-Zahlen erwarten würde.
Praxistipp: Wenn du DDR5 kaufst, achte auf CL30 oder CL32 bei 6000 MHz. CL40 bei 4800 MHz ist nicht empfehlenswert — die Latenz frisst den Bandbreiten-Vorteil auf.
Kapazität schlägt Geschwindigkeit
Wenn du zwischen 16 GB DDR5 und 32 GB DDR4 wählen musst: Nimm die 32 GB DDR4.
Warum? Wenn der RAM voll ist, muss das System auf die SSD ausweichen — und das ist hundertmal langsamer als jeder RAM. 16 GB sind 2026 knapp, wenn du Browser, Discord, Spotify und ein Spiel gleichzeitig laufen hast. Besser langsamer RAM, der reicht, als schneller RAM, der nicht reicht.
Meine Empfehlung 2026:
- 32 GB DDR5 5600 MHz CL30 — der Sweet Spot für neue Systeme.
- 32 GB DDR4 3600 MHz CL18 — wenn du ein bestehendes DDR4-System hast, rüste auf 32 GB auf. Der Wechsel auf DDR5 lohnt nicht.
- 64 GB nur, wenn du produktiv arbeitest (Videos, Rendering, VMs). Für Gaming ist 32 GB mehr als genug.
Wann sich der Wechsel auf DDR5 lohnt — und wann nicht
Lohnt sich:
- Du baust ein komplett neues System (neues Mainboard, neue CPU).
- Du nutzt integrierte Grafik.
- Du willst zukunftssicher bauen und das Budget reicht.
Lohnt sich nicht:
- Du hast ein funktionierendes DDR4-System.
- Du müsstest Mainboard und CPU nur wegen DDR5 tauschen.
- Dein Budget ist knapp und du müsstest bei der GPU sparen, um DDR5 zu finanzieren.
Das Fazit
DDR5 ist besser. Aber „besser" heißt hier nicht „spürbar besser in jedem Spiel". Es heißt: ein bisschen mehr Stabilität bei den FPS-Minima, etwas mehr Zukunftssicherheit und ein klarer Gewinn bei integrierter Grafik.
Wenn du neu baust: DDR5, keine Diskussion. Wenn du ein DDR4-System hast: Behalte es. Das Geld ist in der GPU besser angelegt.
Marcus Behnke
Senior System-Builder
Marcus baut seit über zehn Jahren Custom-Gaming-PCs. Er hat tausende Systeme zusammengestellt und weiß, welche Komponenten sich im Alltag bewähren — und welche nur auf dem Papier gut aussehen.
